Karriereberatung

Arbeitszeugnis

Ihre Arbeitszeugnisse sind wichtige Dokumente, die die Erfolge Ihrer beruflichen Stationen nachweisbar belegen. Dabei ist die Formulierung und Gestaltung eine Philosophie für sich: Es gibt allgemein bekannte Standards, aber auch Geheimcodes, die als Laie nicht einfach zu entschlüsseln sind. Denn: Ihr Arbeitgeber ist gesetzlich verpflichtet, Sie gleichzeitig wohlwollend und wahr zu beurteilen; er darf Sie nicht offensichtlich schlecht bewerten und so Ihr berufliches Fortkommen behindern. So verbirgt sich die Kritik häufig zwischen den Zeilen; ein eigentlich positiv klingendes Zeugnis wird zur Karrierefalle. 
  • Sie haben ein Rechtsanspruch auf ein Arbeitszeugnis ab dem Moment der Kündigung; doch auch dieser Anspruch unterliegt der Verjährung. Fordern Sie dieses also rechtzeitig ein.

  • Genügt ein Zeugnis den inhaltlichen und formellen Anforderungen nicht, haben Sie Anspruch auf Berichtigung. Doch bevor Sie das Arbeitsgericht einschalten, sollten Sie versuchen, sich außergerichtlich zu einigen. Nicht mit jeder ungeschickten Formulierung will man Ihnen etwas Böses.

  • Lassen Sie sich ein Zwischenzeugnis ausstellen, um Ihre Leistungen schon vor einer Kündigung zu dokumentieren. Beispielsweise bei einem Abteilungs- oder Aufgabenwechsel oder wenn Sie einen neuen Vorgesetzten bekommen.

  • Es ist wichtig, dass das Zeugnis in seinem Gesamteindruck schlüssig und stimmig ist; die Bewertung einzelner Passagen lässt keine Gesamtbeurteilung zu. Daher muss jedes Zeugnis individuell geprüft werden. Wenn Sie unsicher sind: Lassen Sie Ihr Zeugnis von Profis untersuchen, ob dieses Ihnen und Ihren Leistungen, aber auch den allgemeinen Anforderungen genügt. Ihr TreuenFels-Berater unterstützt Sie gern!


Was ist zu beachten?

Gerade in der Zeugnissprache kommt es auf die Feinheiten der Formulierungen an. Auch wenn Schlüsselworte weggelassen werden (bspw. wenn nicht erwähnt wird, wie Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten war) oder Selbstverständlichkeiten überbetont werden („er war stets pünktlich“ für einen hochqualifizierten Mitarbeiter) stellt dies eine Abwertung der gesamten Leistung dar. Prüfen Sie daher Ihr Arbeitszeugnis sorgfältig. Auch wenn Sie sich Ihr Zeugnis selbst schreiben (was oft übliche Praxis ist): Beschäftigen Sie sich vorab intensiv mit der Materie und schreiben Sie es nicht einfach „nebenher“.


Aufbau:

  • Überschrift (Bezeichnung der Zeugnisart wie Zwischenzeugnis, Ausbildungszeugnis, Zeugnis o.ä.)

  • Einleitung (Angaben zur Person, Eintritts- und Austrittsdaten, Position/en, Abteilung/en)

  • Aufgaben-/Kompetenzbeschreibung (als Grundlage: falls vorhanden die Stellenbeschreibung; die wichtigsten Aufgaben dabei zuerst nennen)

  • Leistungsbeurteilung (Arbeitsweise, Arbeitsleistung und Arbeitserfolge)

  • Verhaltensbeurteilung

  • Schlusssatz (ggf. Ausscheidegrund, ggf. Dankes- und Bedauernsformel)

  • Abschlussformalia (Ort, Datum, Name des Ausstellers in maschinenlesbarer Form, Original-Unterschrift)


Ferner sollte das Zeugnis auf Firmenpapier, mit Angaben zum Arbeitgeber und den Kontaktdaten, geschrieben sein.


Leistungsbeurteilung

Hier werden wichtige Aussagen zu Ihrem Wissen, Ihren Kenntnissen, Ihren Fähigkeiten getroffen. Angesprochen werden könnten hier Ihre… Problemlösefähigkeit, Auffassungsgabe, Kreativität, strategisches Denken, Verhandlungsgeschick, Engagement, Initiative, Selbständigkeit, Arbeitstempo, -menge, -qualität, Verantwortungsbewusstsein, Belastbarkeit, Verhalten bei Stress, rhetorische Fähigkeiten, Personalführung, Kostenbewusstsein, Teamverhalten etc.

  • Haben Sie Besonderes geleistet? Den Umsatz gesteigert? Längerfristig eine Krankheitsvertretung übernommen? Prozessoptimierungen vorgenommen? Kosten gesenkt? Hier ist Raum für die besondere Würdigung Ihrer Leistungen und Erfolge.)

  • Zusätze wie außerordentlich zufrieden, in jeder Hinsicht vollste Anerkennung, hervorragend, herausragend, besonders, ausgezeichnet, stets (und) vollste Zufriedenheit, weit überdurchschnittlich - lassen dabei auf ausgezeichnete Leistungen schließen)

  • Zusätze wie sehr zufrieden, stets, immer - auf sehr gute Leistungen )


Verhaltensbeurteilung

Bei der Verhaltensbeurteilung sollten Sie darauf achten, dass alle wesentlichen Personengruppen, mit denen Sie zu tun hatten, genannt werden. Ferner sollte die Rangfolge: Vorgesetzte, Kollegen, Mitarbeiter, Kunden/Geschäftspartner eingehalten werden. Abweichungen oder Weglassen deutet auf Probleme mit der jeweiligen Personengruppe hin.

  • Beispiel für eine sehr positive Formulierung:

    "Frau Iris Kramer trat jederzeit sehr höflich und verbindlich auf und förderte dadurch stets aktiv die sehr gute Zusammenarbeit. Ihr Verhalten zu Vorgesetzten, Mitarbeitern und externen Dienstleistern war stets vorbildlich."
  • Negativ hingegen wäre folgende Aussage

    "Wir lernten sie als sehr umgängliche Kollegin kennen"; dies weist darauf hin, dass die Mitarbeiterin nicht besonders beliebt war.

Schlusssatz

Mit die wichtigste Passage in Ihrem Arbeitszeugnis. Viele Personaler lesen Arbeitszeugnisse von hinten nach vorn; wenn der Schlusssatz nicht positiv ausfällt, wird genauer geprüft. Dabei ist Ihr Arbeitgeber gesetzlich nicht verpflichtet, Ihnen alles Gute für Ihre Zukunft zu wünschen oder Ihr Ausscheiden zu bedauern. Auch hier wird wieder spitzfindig formuliert: wünscht Ihnen der ehemalige Arbeitgeber „viel Erfolg“ und nicht „weiterhin viel Erfolg“ heißt dies, dass sich Ihr Erfolg im Unternehmen in Grenzen hielt.


Beispiel für eine sehr positive Schlussformulierung:

„Frau Kramer verlässt unser Unternehmen mit dem heutigen Tage auf eigenen Wunsch. Wir bedauern ihre Entscheidung außerordentlich, weil wir mit ihr eine sehr wertvolle und geschätzte Mitarbeiterin verlieren. Wir bedanken uns bei ihr für ihre jederzeit sehr gute Arbeit und wünschen ihr für ihre berufliche wie persönliche Zukunft alles Gute und weiterhin viel Erfolg.“

 

Abschlussformalien/Unterschriften

Der Leser eines Zeugnisses kann aus der Position des Unterschreibers Rückschlüsse auf die Wertschätzung des beurteilten Mitarbeiters ziehen. Idealfall: Die Unternehmens- oder Personalleitung unterschreibt zusammen mit Ihrem direkten Vorgesetzten (jeweils Originalunterschrift; zusätzlich wird der vollständige Namen/Position in Maschinenschrift wiederholt).


Negative Formulierungen

  • Doppelte Verneinung: verneinte Gegenteile wie "war nicht uninteressiert" oder "waren nicht unbedeutend" stellen eine Abwertung der gewürdigten Leistung dar.

  • Nullstellentechnik: Wörter wie “jederzeit“, „sehr", "außerordentlich", "immer" oder "stets" füllen die sogenannten Nullstellen eines Zeugnisses. Wenn diese an bestimmten Stellen nicht genannt werden, sinkt das Niveau des Zeugnisses. Achten Sie daher darauf, dass positiv-wertende Beschreibungen an den entscheidenden Stellen stehen („sehr gutes Fachwissen“ statt „Fachwissen“, „jederzeit positive Arbeitsergebnisse“ statt „positive Arbeitsergebnisse etc.).

  • Weglassen wichtiger Aussagen: Wenn bedeutsame Tätigkeiten fehlen oder relevante Aussagen zum Leistungs- oder Führungsverhalten weggelassen werden, ist dies negativ zu werten.

  • Selbstverständliches wird betont: Werden beispielsweise die hervorragenden Fähigkeiten in den Grundrechenarbeiten bei einem Mitarbeiter im Finance & Controlling betont, stellt dies eine klare Abwertung dar.

  • Superlative: Wenn ein Zeugnis „außergewöhnlich hervorragend“ formuliert ist und über den Klee hin lobt, wird der Leser vermuten, dass Sie es sich selbst geschrieben haben.

  • Tabuthemen: Aussagen zu u.a. folgenden Themen dürfen im Zeugnis nicht getroffen werden: Gehalt, Krankheiten oder Fehlzeiten, Vorstrafen, Abmahnungen, Leistungsabfall, Alkohol- oder Drogensicht, Behinderungen, Betriebsratstätigkeit bzw. Gewerkschaftsengagement, Engagement für Parteien oder Religion, Nebentätigkeiten.


Checkliste Arbeitszeugnis

  • Ist das Zeugnis auf Firmenpapier geschrieben, enthält es die relevanten Firmenkontaktdaten?

  • Ist das Zeugnis korrekt geschrieben (keine Rechtschreib- oder Grammatikfehler)? Enthält es keine Fragezeichen, Ausrufezeichen oder Korrekturen?

  • Ist es von einem bzw. mehreren Vorgesetzten unterschrieben?

  • Ist Ihr Zeugnis angemessen lang? Ein qualifizierter Controller, der vier Jahre in einer Firma war, sollte ein Zeugnis von ca. zwei Seiten erhalten; ist es nur knapp eine Seite lang, deutet dies auf mangelnde Wertschätzung seitens des Unternehmens hin; ist es hingegen drei Seiten lang, wird vom Leser vermutet, dass sich der Mitarbeiter das Zeugnis selbst geschrieben hat.

  • Sind alle wesentlichen Aufgabenfelder und für Ihre Position wichtigen Fähigkeiten angemessen genannt/gewürdigt, sind Nebensächlichkeiten nicht übermäßig betont?

  • Sind Ihre Tätigkeiten für einen Dritten verständlich formuliert?

  • Stehen die wichtigsten Aufgaben an erster Stelle? Sind besondere Projekte oder Tätigkeiten herausgestellt?

  • Wurden relevante Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen erwähnt?

  • Ist es für den Leser erkennbar, dass Sie von Ihren Vorgesetzten, Kollegen und Geschäftspartnern geschätzt wurden? Werden alle entsprechenden Personengruppen in der richtigen Reihenfolge aufgeführt?

  • Wie werden Ihre Arbeitsweise, Ihre Initiative, Ihre herausragenden Fähigkeiten oder besonderen Erfolge gewürdigt?

  • Wie sieht Ihre Gesamtbeurteilung aus – stets zur vollsten Zufriedenheit etc.?

  • Führungskräfte: Welche Aussagen werden über Ihre Leistungs- und Führungskompetenzen getroffen, über Ihre Fähigkeit zu delegieren und zu motivieren?

  • Schlusssatz: Falls Sie selbst gekündigt haben – ist es vermerkt, dass Sie auf eigenen Wunsch ausscheiden? Bedankt sich das Unternehmen für Ihre Arbeit, wie sehen die Wünsche für die Zukunft aus?

  • Wie ist das Zeugnis in der Gesamtheit, erkennt man, dass es eine schlüssige Einheit darstellt, ist es wohlwollend und vielleicht sogar in einem persönlichen Stil verfasst?


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